Was man wissen sollte!

Wissenswertes rund um den Prager Rattler


Inhaltsverzeichnis



Einleitung

Unter den Haustierbesitzern scheint es für viele zwei Arten von Menschen zu geben: Die Katzen-Liebhaber und die Hunde-Liebhaber. Als grobe Zuordnung mag das eventuell zutreffend sein. Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass Hund noch lange nicht gleich Hund ist. Sie sind mindestens so vielfältig und verschieden, wie wir Menschen auch. Es gibt zahlreiche verschiedene Rassen. Die Hunde sind dabei nicht nur unterschiedlich groß, sie haben auch die gegensätzlichsten Charaktere und Ansprüche. Während die einen täglich viel und lange Auslauf brauchen, sind andere wiederum froh, wenn sie möglichst schnell wieder zu Hause sind.

Bevor man sich ein Haustier zulegt, sollte man sich also nicht nur Gedanken machen, ob es sich dabei um einen Hund handeln soll. Wirklich verantwortungsvoll und auch fair dem Tier gegenüber ist es nur, wenn man sich auch genauestens informiert, welche Rasse welche Anforderungen stellt und somit am besten zu den eigenen Lebensumständen passt.

Was zeichnet einen Prager Rattler aus?

Wie der Name bereits vermuten lässt, hat der Prager Rattler seinen Ursprung in der heutigen Tschechischen Republik. Er wird bereits in historischen Dokumenten aus der Zeit des Königreichs Böhmen erwähnt. Zu Beginn seiner Geschichte war der Prager Rattler wohl ein sogenannter "Repräsentationshund". Sowohl auf der Prager Burg, als auch an den Fürstenhöfen hielt man sich diese Hunde, wenn man in royalen Kreisen beeindrucken wollte. Später jedoch entdeckte man, dass sich der Prager Rattler ganz ausgezeichnet als Arbeitshund eignete, da er zum Beispiel ganz hervorragend Nager von Hof und Ställen fern halten konnte. Dennoch geriet dieser Hund nach und nach immer mehr in Vergessenheit, bis er sogar fast ganz verschwunden war. Sprichwörtlich mit den "Resten" begannen Züchter ab 1980 eine neue Rasse aufzubauen. Bis heute ist diese zwar noch nicht bei allen Organisationen anerkannt, die Züchter sind aber nach wie vor bemüht, alle notwendigen Unterlagen dafür zusammen zu tragen.

Mit einer Größe von 20 bis 23 cm und einem Idealgewicht von 2,6 kg ist der Prager Rattler definitiv einer der kleineren Hunde und wird deshalb im modernen Jargon gerne auch als sogenannter "Toy Dog" bezeichnet. Als Pinschertyp hat der Rattler kurzes, eng anliegendes Fell, das seine Gesundheit stolz mit einem schimmernden Glanz zeigt. An den Ohren, den Beinen und an der Rute ist es etwas länger und sieht dabei fast wie kleine Federn aus. Die Grundfarbe der Prager Rattler ist entweder ein sattes braun oder schwarz. Doch es finden sich auch rotbraune Abzeichnungen, in der Regel vor allem oberhalb der Augen, auf den Wangen, auf der Brust und in einigen Fällen auch an der Rute und auf dem unteren Hals. Je dunkler diese rotbraunen Flecken sind, desto besser ist dies nach Zuchtkriterien und Schönheitsstandards für diese Hunderasse.

Der Kopf des Prager Rattlers ist birnenförmig. Die stehenden Ohren sind sehr hoch und verhältnismäßig breit angesetzt. Auffallend ist zudem ihre dreieckige Form. Dabei stehen sie nicht senkrecht, sondern in einem leichten, seitlichen Winkel.

Ist der Prager Rattler dasselbe wie der Zwergpinscher?

Die Verwandtschaft von Prager Rattler und Zwergpinscher sticht zwar bereits beim ersten Blick ins Auge. Mindestens genauso schnell bemerkt man bei genauer Betrachtung allerdings, dass es sich zwar um ähnliche, aber nicht um die gleiche Hunderasse handelt. Mit 25 - 30 cm ist der Zwergpinscher doch recht deutlich größer als der Prager Rattler. Eine Konsequenz aus diesem Größenunterschied ist das Gewicht. Während ein Prager Rattler im Idealfall möglichst genau bei 2,6 kg liegt, kann ein Zwergpinscher je nach Geschlecht 4 bis 6 kg und damit in etwa doppelt so viel wiegen.

Zudem hat die Geschichte des Zwergpinschers ihren Ursprung in Deutschland. Im 19. Jahrhundert begann man ihn gezielt als kleineres Abbild des Deutschen Pinschers zu züchten, wobei die Pinscher-Klubs Gott sei Dank von Anfang an zum Wohle der Hunde darauf Wert legten, dass diese Hunde nicht die, wie so oft vorkommenden, "Mängel sonstiger zwergenhafter Erscheinungen" haben sollten. Sprich, es wurde bei der Zucht darauf geachtet, dass die Hunde tatsächlich gesund waren und nicht etwa viel anfälliger für Krankheiten oder, was besonders die Weibchen betrifft, aus anatomischer Sicht einen viel zu kleinen Körperbau zur Weiterzucht hatten.

Streng genommen muss als weitere Unterschied aufgeführt werden, dass der Zwergpinscher längst eine international anerkannte Rasse ist, wobei der Prager Rattler bei einigen Organisationen noch auf seine Anerkennung warten muss. Bei aller Ähnlichkeit und trotz vieler Gemeinsamkeiten ist also dennoch unumstritten, dass Prager Rattler und Zwergpinscher definitiv zwei unterschiedliche Hunderassen sind. Trotzdem kommt es immer wieder zu Verwechslungen.

Weshalb nennt man kleine Zwergpinscher Prager Rattler?

Von den äußeren Merkmalen her, wie Körperbau, Farbe des Fells etc. sehen sich Zwergpinscher und Prager Rattler ja wirklich sehr ähnlich. Der wortwörtlich größte Unterschied, der eben auch mit bloßem Auge schnell zu erkennen ist, ist die Tatsache, dass der Zwergpinscher normaler Weise eben etwas größer ist. Aber selbstverständlich gibt es auch hier immer wieder mal Hunde, die etwas kleiner sind, als es den Rassestandards entsprechen würde.

Verständlicher Weise wird in solchen Fällen dann immer wieder mal davon gesprochen, dass ein Prager Rattler nichts anderes sei, als ein kleinerer Zwergpinscher. Doch egal, wie oft diese Aussage wiederholt wird, sie wird dadurch trotzdem nicht richtig. Es macht keinen Unterscheid wie groß ein Prager Rattler, oder wie klein ein Zwergpinscher wird, es sind und bleiben zwei verschiedene Rassen.

Wie klein ist der Prager Rattler eigentlich wirklich?

Der Zusatz "Zwerg-" beim Namen Pinscher verdeutlicht ja bereits, dass es sich bei dieser Ausführung um einen kleineren Hund handelt, als die ursprüngliche Version. Wenn der Prager Rattler aber noch kleiner ist, von welchen Maßen kann man dann in diesem Fall ausgehen?

Nun, die Schulterhöhe eines Prager Rattlers liegt meist zwischen 20 und 23 cm. In tschechischen Zuchtstandards ist sogar von 18 bis 23 cm die Rede. Aber egal, welche Anforderungen man zugrunde legen möchte, höher als 23 cm ist ein Prager Rattler nie. Damit gehört er zwar nicht zu den kleinsten Hunden, da es immer noch kleinere Rassen gibt. Dennoch ist der Prager Rattler in der Größentabelle für Hunde ganz eindeutig im unteren Bereich einzuordnen.

Verständlicher Weise kann dann bei einem gesunden Tier auch das Gewicht nicht besonders hoch sein. Was den Prager Rattler betrifft, so liest man überall einen überraschend genauen Wert. Während in der Regel Spannbreiten sowohl für die Größe, als auch für das Gewicht angegeben werden, listen die Quellen für diese Hunde einen einzigen Wert, nämlich exakt 2,6 kg.

Darunter sollte das Gewicht nicht liegen. In Deutschland ist es sogar verboten, Hunde unterhalb von 2 kg weiter zu züchten. Hat ein Prager Rattler allerdings mehr auf den Rippen, fehlen im einige der rassetypischen Äußerlichkeiten. Diese Pinscherart ist grundsätzlich sehr schlank und mag für viele immer etwas unterernährt aussehen. Bei einem so kleinen Hund, machen wenige 100 Gramm hin oder her schon einen enormen Unterschied, was die optische Erscheinung betrifft.

Wieviel Auslauf braucht ein Prager Rattler?

Die einzelnen Hunderassen unterscheiden sich nicht nur rein optisch, sie haben auch die vielfältigsten Charaktere und Bedürfnisse, zum Beispiel was den täglichen Auslauf betrifft. So sollte man sich vor der Anschaffung eines Hundes bereits ganz klar Gedanken darüber machen, wie oft und wie lange man mit seinem Hund spazieren gehen kann und ob man dabei etwa auch kleine Spieleinheiten mit Wurf- und Fangspielen einlegen kann, damit sich das neu Familienmitglied regelmäßig ordentlich austoben kann.

Der Prager Rattler ist zwar ein recht kleiner Hund, das heißt aber noch lange nicht, dass er deswegen nicht weit laufen kann oder will. Ganz im Gegenteil, diese Hunderasse ist sehr quirlig und fordert ausreichend Bewegung regelrecht ein. Und bei einem Blick auf die Geschichte und die Verwandtschaft der Prager Rattler ist das auch eigentlich einleuchtend. Schließlich wurden sie ursprünglich als Jagdhunde für Nagetiere gezüchtet. Das hätte kein Hund mit einem gemütlichen Charakter und wenig Bewegungsdrang geschafft. Zudem sind alle Pinscher, einschließlich die Dobermänner, Hunde, die für ihre große Lebhaftigkeit bekannt sind.

Wenn möglich sollte man mit seinem Prager Rattler schon etwa dreimal täglich für mindestens 30 Minuten spazieren gehen. Zusätzlich ist es für diese Hunde enorm wichtig, dass sie nicht einfach "nur so" laufen, sondern dass währenddessen auch ihr Kopf gefordert wird. Man sollte also immer einen kleinen Ball, einen Stock oder ähnliches dabei haben, dass man werfen und den Hund fangen lassen kann.

Zusätzlich bereitet es den Prager Rattlern sicher großes Vergnügen, wenn sie regelmäßig mit Artgenossen einen Agility-Parcours bewältigen können. Diese Hundesportart, bei der es gilt, einen Hindernislauf möglichst fehlerfrei zu bewältigen, ist inzwischen auch bei uns weit verbreitet. Es gibt zahlreiche Hundesportvereine, die gerne Auskunft darüber geben, wann man mit seinem Hund solch einen Kurs einmal ausprobieren kann. Wenn es Hund und Mensch dann Spaß macht und sie ab sofort wöchentlich kommen, umso besser.

Trotz der Tatsache, dass der Prager Rattler sein Wesen und seine Liebe zur Bewegung so deutlich zeigt, hält sich leider immer noch bei einigen das Vorurteil, ein kleiner Hund brauche zum einen weniger Pflege und zum anderen auch weniger Auslauf. Wird dann deswegen ganz bewusst ein kleiner Hund, wie der Prager Rattler gekauft, ist das sehr, sehr schade. Man kann ihn zwar ohne Probleme in einer kleinen Stadtwohnung halten, werden ihm allerdings nicht ausreichend Auslauf- und Spielmöglichkeiten geboten, wird sich der Hund nicht wohl fühlen und möglicher Weise sogar langfristig gesehen, krank werden.

Muss man mit ihm im Garten etwas unternehmen um ihm eine tägliche Bewegung zu verschaffen?

Mal ganz ehrlich, einen Garten haben die wenigsten von uns. Ganz besonders, wenn sie in der Stadt wohnen. In ländlicheren Wohngegenden mag das Verhältnis Gartenbesitzer zu Nicht-Gartenbesitzer sicher ganz anders aussehen, aber richtig große Gärten haben auch dort die wenigsten.

Ein Prager Rattler mag rennen und jagen. Wie müsste so ein Garten wohl aussehen, damit sich der Hund dort richtig ausstoben kann? Selbst wenn er groß genug ist, wird zumindest ein Teil davon meist als Obst- und Gemüsegarten genutzt. Da möchte man auch nicht wirklich, dass so ein kleiner Wirbelwind täglich seine Jagdrunden dreht.

Auch, wenn die Prager Rattler täglich möglichst viel Auslauf brauchen, ist also ein eigener Garten keine zwingende Voraussetzung dafür, sich solch einen Hund zulegen zu können. Ganz im Gegenteil, man sollte nicht annehmen, dass es ausreicht, seinen Hund einfach alleine für eine Weile in den Garten zu lassen um sich selbst dadurch eine Runde Gassi gehen zu sparen.

Welcher Hundehalter passt zum Prager Rattler?

Man muss ganz klar sagen, dass sich der Prager Rattler auf keinen Fall als Hund für einen Anfänger in Sachen Hundehaltung eignet. Leider wird allzu oft von der Größe auf den Schwierigkeitsgrad der Erziehung geschlossen. So ein kleiner, niedlicher Hund kann doch einfach nur ein verschmustes Schoßhündchen sein, das den Park am liebsten aus der Perspektive auf Frauchens oder Herrchens Arm genießt oder sogar bei einem Einkaufsbummel durch die Läden in Handtaschen mit sich getragen wird.

Das ist ein fataler Trugschluss unter dem der Hund selbst am meisten zu leiden hat. Der Prager Rattler ist ein Energiebündel auf vier Pfoten. Er wurde gezüchtet um zu jagen und das will er auch heute noch tun. Er braucht nicht nur Auslauf und Beschäftigung. Er braucht während seiner Erziehung und auch danach noch eine ganz klare und eindeutige Bezugsperson. Hat man noch keinerlei Erfahrung in der Erziehung von Hunden, kann das nur allzu leicht dazu führen, dass Hund und Mensch sich nie richtig aneinander gewöhnen und es ständig Schwierigkeiten und Probleme gibt. Darunter leidet der Hund, als völlig unschuldiges Wesen und auch als Mensch wird man sich wohl nicht so schnell wieder einen Hund zulegen.

Weiß man dagegen bereits genau, wie man einem Hund die notwendigen Regeln für ein glückliches und reibungsloses Miteinander mit den Menschen beibringt, dann hat man in einem Prager Rattler einen absolut treuen und aufmerksamen Begleiter, der die Gegenwart seiner Bezugsperson uneingeschränkt genießt. Fremden gegenüber ist er dagegen abwartend und zurückhaltend, er bellt also nicht frech und forsch jeden an, der vorbei läuft. Eindeutig ein Pluspunkt, nicht nur in Stadtwohnungen.

Sind Prager Rattler eher wie Chihuahuas die etwas ruhiger und nicht so quirlig sind?

Prager Rattler und Kurzhaar Chihuahuas werden zwar öfter mal verwechselt, aber abgesehen von der geringen Körpergröße haben sie nicht wirklich viel gemeinsam. Schon gar nicht, was den Charakter und das Wesen betrifft. Chihuahuas sind eben genau diese Hunde, die man gerne mal aus einer Handtasche oder einer speziellen Hundetasche heraus kucken sieht. Sie sind diese niedlichen Schoßhündchen, die oft automatisch unterstellt werden, wenn ein Hund so klein ist.

Wer aber den Text bereits bis hier her gelesen hat, dem dürfte an dieser Stelle bereits längst klar sein, dass diese Beschreibung keinesfalls zu einem Prager Rattler passt. Natürlich sind auch diese Hunde auf ihre Frauchen oder Herrchen fixiert. Natürlich freuen sich auch diese Hunde über Streicheleinheiten und genießen den Kontakt zu ihrer menschlichen Familie.

Dennoch wäre es ein fataler Fehler, die geballte Energie zu vergessen, die hinter und vor allem in einem Prager Rattler steckt. Man kann es nicht oft genug betonen. Sicher braucht so ein kleiner Hund nicht viel Platz in der Wohnung und auch die Kosten für das Futter beispielsweise sind geringer und der Dreck ist etwas weniger als bei größeren Hunden. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass diese Hunde auch weniger von unserer Zeit brauchen und mit ihren kurzen Beinchen nur wenige Schritte laufen können.

Wer seine Hundeliebe ernst meint, der legt sich nur einen Prager Rattler zu, wenn er bereits Erfahrung in der Hundehaltung gesammelt hat, wenn er täglich mehrmals möglichst ausgedehnte Spaziergänge unternehmen kann und will und wenn er zusätzlich den Hund fördern und fordern möchte, zum Beispiel mit regelmäßigem Agility. Wer sich dagegen einen Hund anschaffen möchte, weil er hofft, dadurch endlich mehr an die frische Luft zu gehen, weil bisher die eigene Faulheit dazu immer zu groß war, der sollte sich besser für eine andere Rasse entscheiden. Sollten auch dieses Mal die guten Vorsätze früher oder später scheitern, ist es in erster Linie der Hund, der darunter zu leiden hat. Das sollte man unbedingt bei seiner Entscheidung für oder gegen einen Hund im Allgemeinen und für oder gegen eine bestimmte Hunderasse im Speziellen im Auge behalten.